Von Bielefeld aufs Dach der Welt

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Von Bielefeld aufs Dach der Welt

Anfang Mai startet unsere Expedition nach Nepal, mit dem Ziel, den Mount Everest zu besteigen, zu kartographieren, neu zu vermessen und eine annehmbare Lösung für das dort herrschende Müllproblem zu finden – als Teil der Eco Everest Expedition.

ENTRANCE PERMIT – die Bürokratie ist fast so schlimm wie in Deutschland. Für jede Bewegung im Land wird eine Erlaubnis benötigt.

Mit der Landung auf dem Tensing-Hillary-Altiport in Lukla, einem kleinen Flughafen inmitten des Himalaya-Bergmassivs auf rund 2.860 Metern, begeben wir uns dann auf zum Mount-Everest-Basislager (5.400 Meter ü. N.N.). Unterwegs passieren wir  das bizarre und zugleich romantische Khumbu-Tal mit seinen spektakulären Hängebrücken, die weit über schwindelerregende Schluchten führen. Am Fuße des Khumbu-Eisfalls liegt das Mount-Everest Base Camp an der Südseite.

 

Den Schweinehund überwinden

Als hätten sie es geahnt, als Victor Lazlo und Stefan Waggershausen die Zeile „Das erste Mal tat’s noch weh, beim zweiten Mal nicht mehr so sehr“ in ihren Song einbauten. Anfangs mit Muskelkater am ganzen Körper, ganz besonders in den Fingerspitzen, dachte ich noch ich muss abnippeln. Inzwischen bin ich soweit mit meinem Trainingsprogramm fortgeschritten, dass ich jetzt morgens nur noch ein kleines Muskelkätzchen verspüre.

Ausdauer, Geschicklichkeit und Krafttraining zeichnen derzeit mein Trainingsprogramm aus, bevor es Ernst wird. Die letzten zwei Wochen vor der Abreise nach Nepal werden noch einmal eine ganz besondere Herausforderung für mich und der Trainingsplan ist kein Zuckerschlecken für mich als Ex-Couch-Potato:

Montags: 15 km Geländelauf
Dienstags: 50 km Mountainbike-Cross und Klimmzugstange
Mittwochs: Cardio-Krafttraining / 30 km Mountainbike-Cross
Donnerstags: 25 km Geländelauf
Freitags: Cardio-Krafttraining / 40 km Mountainbike-Cross
Samstags: 35 km Laufen
Sonntags: Cardio-Krafttraining / 50 km Mountainbike-Cross

Für etwas Abwechslung sorgt dann das Üben von Knoten, dem Hantieren mit der Ausrüstung und einem Leitertraining. Da wir wahrscheinlich einige Gletscherspalten zu überwinden haben, werden von den Sherpa i.d.R. mehrere Leitern miteinander verknotet und als „Brücke“ über die eisigen Schluchten gelegt. Darüber muss dann jeder, der etwas weiter vordringen möchte, (fast) freihändig balancieren. Lediglich zwei Seile an beiden Seiten dienen als „Geländer“. Daher erscheint mir ein Koordinationstraining im Vorfeld schon ganz sinnvoll.

Bisheriges Fazit: in etwas über einem Monat konnte ich über 12 kg Gewicht reduzieren und meine Ausdauer enorm steigern. Das Krafttraining und das Laufen sind für mich aber immer noch die größten Schweineköter, die ich zu überwinden habe. Außerdem bereitet mir, durch die ständige Dauerbelastung, mein linkes Kniegelenk derzeit leichte Schmerzen, bei dem ich mir vor knapp zwei Jahren einen leichten „Knacks“ zugelegt habe. In Anbetracht der kurzen Vorbereitungszeit, die mir noch bleibt, kann ich mir eine Schonfrist jedoch leider nicht erlauben. Ich hoffe das meine morschen Knochen durchhalten, denn sonst ist das Projekt leider für mich beendet bevor es losgeht.

Immer einen kühlen Kopf bewahren

„No risk no fun“ ist auf dem höchsten Berg der Welt wohl eher fehl am Platz. Martin Gremmelspacher (siehe Foto unten), ein guter Freund von mir, ist ein wahrer Nepal-Experte. Als ich ihn vor einigen Wochen in seinem Studio in Leipzig besuchen durfte, haben wir lange über mein Vorhaben geredet. Martin ist selber Filmemacher und hat bereits Live-Übertragungen vom Kilimandscharo für das ARD-Morgenmagazin produziert, sowie die Sendung „Live vom Himalaya“. Wer kennt sich also besser in der Region aus als er?!

Martin Gremmelspacher beim Dreh im Himalaya-Gebirge. Credits: M. Gremmelspacher – ask-tv.de

Das die Höhenkrankheit ein sehr ernstzunehmender Faktor ist war mir zwar bereits bewusst, dass man diese aber nicht unterschätzen darf, dass hat mir Martin noch einmal verdeutlicht. „Eigentlich braucht man 111 Tage um sich an die Höhe dort gewöhnen. Aber wer kann schon 111 Tage auf dem Mount Everest bleiben?“ Damit hat er wohl Recht. Ich werde daher in den kommenden Tagen mich in eine Voraklimatisation begeben. Das geschieht u.a. durch das Einatmen von sauerstoffreduzierter Luft für ca. 2 Stunden pro Tag, entweder in einer entsprechenden Kabine oder über eine Atemmaske. Ich denke, ich werde mich für die zweite Variante entscheiden. So kann man schließlich „Das bisschen Haushalt“ im Darth Vader Look auch noch ganz entspannt erledigen. Sollte ich vor Ort das Gefühl bekommen, nicht weiter gehen zu können, so ist für mich klar, dass ich kein Risiko eingehen und meine Mission Everest abbrechen werde. Mit weit mehr als 200 Beweisen für persönliche Fehleinschätzungen findet man auf dem Mount Everest – die Leichen der Bergsteiger, die es nicht zurück geschafft haben.

Einige Tage nach unserem Treffen ist Martin für einen Job nach Nepal gereist. Da Martin fließend nepalesisch spricht konnte er er bereits vor Ort alle Formalitäten für mich klären, worüber ich sehr dankbar bin. So konnte er mir das/die/den (oder wie auch immer) Expedition-Permit bereits ausstellen lassen, denn ohne ist eine Besteigung gar nicht erst möglich.

I got it – the EXPEDITION-PERMIT. Bääämmm! Kaum zu glauben was dieses kleine Stück Papier kostet. Zum Glück muss ich es nicht aus eigener Tasche zahlen!

Wer sich etwas mit den Wetterverhältnissen auskennt, der weiß, dass der Monat Mai eigentlich schon recht spät für eine Expedition ist. Im Juni gelangen starke und heftige Monsunwinde über den Himalaya und diese sind nicht zu unterschätzen. Schlechte Sicht, eisige Winde und abgeschnitten Rückwege können die Folge sein. Vor Ort werden wir daher immer in Funkkontakt mit einem Meteorologen sein, der uns über die aktuelle Wetterlage informiert. Wollen wir hoffen, dass uns die Sonnengötter wohlgesonnen sind.

Das Wetter am Mount Everest kann oben am Gipfel schnell umschlagen und in der Monsun-Zeit toben zehren kräftige Winde am Gipfel. Credits: M. Gremmelspacher – askt-tv.de

Expeditions-Blog im Aufbau

Da ich einer der wenigen Teammitglieder bin, der etwas von dem Erstellen einer Website mit zugehörigem Blog versteht, bat mich das Team etwas Schönes und Funktionales zu kredenzen. In den kommenden Tagen (und Nächten) werde ich also an einer Website basteln, von der wir hoffentlich auch direkt aus Nepal vom Handy aus etwas posten bzw. bloggen können – sofern der Empfang vorhanden ist. Wir müssen uns dabei auf das Mobilfunknetz in Nepal verlassen, dass allerdings nicht das Beste ist und immer gerade nicht da ist, wenn man es braucht. Natürlich haben wir auch Satelliten-Telefonie vor Ort, aber die Verbindungskosten kann man mit Gold aufwiegen.

Getreu dem Motto des Bauhauses, „form follows function“, wird auch die Website aussehen, was aber keinesfalls bedeutet, dass sie zum Abgewöhnen sein wird. Das Gegenteil ist der Fall! Interaktiv und außergewöhnlich soll sie werden.
Sobald die Seite online ist, werde ich es hier dann natürlich posten. Auf der Website werden sich euch dann auch die anderen Teammitglieder vorstellen. Ob ich dann weitere Infos lediglich dort poste oder auf meiner Website fortführe, dies werde ich später entscheiden.


Bis dahin & take care!

Frohe Ostern wünscht Tobias