Ware Schönheit vs. wahre Schönheit

Beim 7. Creative Showroom der IHK OWL im Lichtwerkkino im Ravensberger Park Bielefeld hatte ich bereits die Frage an die Zuhörer gestellt:

„Warum nicht einfach fotografieren und auf Photoshop verzichten? Haben wir es verlernt ‚richtig‘ zu fotografieren – ohne den Einsatz von Photoshop? Ist es etwa heutzutage egal wie wir Fotografen Bilder erstellen, wenn die eigentlichen Fotos eh in Photoshop entstehen?“

Mit PRAŽSKÉ JARO habe ich erstmalig eine Strecke fotografiert, in der ich komplett auf den Einsatz von Hautretusche verzichtete, inspiriert durch einen Votrag von Peter Lindbergh bei der Verleihung der Lead Awards in den Hamburger Deichtorhallen.

PRAŽSKÉ JARO hatte ich analog und spontan in Prag mit meiner ersten SLR umgesetzt. Für mich immer noch einer der glaubwürdigsten und besten Fotografien in meinem Portfolio und das, obwohl die Haare zerzaust sind, die Locations besser hätten sein können und die Kamera im Vergleich zu den heutigen Modellen eher ein Zustand als ein Arbeitsgerät ist.

Prazske Jaro - Modefotografie ohne Photoshop

Aber genau dies ist der Grund für eine Veränderung in meiner zukünftigen Arbeit. Wahrheit in der Fotografie kann und soll auch funktionieren – alleine durch den gezielten und gekonnten Einsatz der Kamera und der entsprechenden Technik. Und überhaupt: Warum müssen immer alle Falten und Sommersprossen in Photoshop weggepixelt werden? Wer sieht denn bitteschön überhaupt aus wie die plattgebügelten Photoshop-Opfer auf den Covern der TV-Zeitschriften, außer Barbie und Ken? Die erkennen sich ja selber nicht wieder! Gruselig! Lassen wir uns doch nicht veräppeln!

Ich möchte und werde daher in den zukünftigen Modestrecken und Editorials auf den Einsatz der Hautretusche verzichten und alleine den „kamerainternen Weichzeichner“ mittels Einsatz entsprechender Filter, Vorsätze und Objektive einsetzen. Natürlich ist der Einsatz von Photoshop oder Lightroom in gewissem Maße legitim (Kontraste anheben, Farben angleichen, störende Elemente ausbügeln  etc.) – solange dieser Einsatz nicht zu extrem wird oder eine digitale Hauttransplantation stattfindet. …Ausnahme natürlich: sie wird vom Kunden explizit gewünscht.

Ich denke, es ist eine knifflige aber trotzdem lösbare Aufgabe, der ich mich damit stelle. Das größte Problem sehe ich dabei allerdings in der Zusammenarbeit mit den Models. Wahrscheinlich wirkt hier das umgekehrte Prinzip der TV Magazin-Cover: Hoffentlich erkennen sie sich auch ohne Retusche wieder?!